Behandlungsangebot

Unsere Methoden & Medien 

Im Folgenden finden Sie Beispiele für Inhalte der ergotherapeutischen Behandlung. Je nach Anliegen werden diese kombiniert und individuell angepasst.

– Werktherapie & Bildnerisches Gestalten u.a. Holzarbeiten, Linoldruck, Speckstein, Brandmalerei, Modellieren, Mosaik, Collagen

– Kognitives Training: Gedächtnisleistung, Konzentration und Exekutivfunktionen

– Themenbezogene Projektgruppen, Außenaktivitätsgruppe, Depressionsbewältigungsgruppe, Gruppe sozialer Kompetenzen

– Psychosoziale Intervention: Verhaltenstherapeutisch orientierte Elemente (z. B. ACT – Akzeptanz- und Commitment-Therapie), Psychoedukation, Skillstraining, Stressbewältigung, Schlaftraining, Wertearbeit, Zielorientierung

– ADL-Training: Alltagsaktivitäten trainieren, anpassen und aufbauen u.a. Haushaltsführung, Selbstversorgung, Administratives und Tagesstruktur

 

Materialgebundene Tätigkeiten und handwerkliche Verfahren werden eingesetzt, wenn sie therapeutisch sinnvoll sind – nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um konkrete Betätigungsprobleme zu bearbeiten.

Die therapeutische Orientierung ist modellbasiert (u. a. MOHO, ergänzt durch OSA zur subjektiven Einschätzung).

Kompetenzzentrierte
Methode

Wir trainieren konkrete Alltagsfertigkeiten und bauen Handlungssicherheit Schritt für Schritt auf. Im Fokus stehen Planung, Struktur, Selbstständigkeit und der direkte Transfer in Ihren Alltag.

Ausdruckszentrierte
Methode

Gestalterisches Tun eröffnet einen Zugang zu Selbstwahrnehmung, Gefühlen und inneren Themen. Erleben wird greifbar – daraus können neue Perspektiven und Handlungsoptionen entstehen. 

Interaktionelle 
Methode

Wir unterstützen Sie in Kommunikation, Beziehungsgestaltung und sozialem Handeln – einzeln oder in Gruppen. Ziel ist mehr Sicherheit im Kontakt, passende Grenzen und tragfähige Interaktion.

Alltagstransfer & Umwelt

Entscheidend ist die Alltagstauglichkeit: Was in der Therapie gelingt, wird in Ihrer Lebensrealität erprobt. Wir passen Strategien an Routinen, Hilfen und Umfeld an und sichern Ergebnisse über konkrete Alltagsschritte.

Wie läuft die Therapie im SeelenWerk ab?

Ein strukturierter Prozess: alltagsnah, zielorientiert und gut nachvollziehbar.

1. Informationssammlung

Medizinische und psychosoziale Rahmenbedingungen sowie aktuelle Alltagsanforderungen werden geklärt.

2. Befunderhebung

Betätigungsprobleme und Ressourcen werden analysiert: unter Einbeziehung von Fähigkeiten, Routinen, Rollen und Umgebungsbedingungen.

3. Zieldefinition

Wir vereinbaren ein konkretes Ziel, das zu realen Anforderungen Ihres Alltags passt.

4. Therapieplanung

Methode, Medien, Setting und Therapiefrequenz werden passend zum Ziel und Alltag festgelegt. 

5. Durchführung

Maßnahmen werden alltagsnah umgesetzt und erprobt.

6. Evaluation

Fortschritte werden überprüft; das Vorgehen wird bei Bedarf angepasst.

7. Abschluss

Ergebnisse werden gesichert: Transfer in den Alltag oder weitere Schritte.

Fallbeispiel: Einkaufen

"Ich schaffe den Einkauf nicht mehr. Ich schiebe es tagelang vor mir her, habe keine Energie, alles wirkt zu viel und danach fühle ich mich schuldig."

In der Ergotherapie planen wir die Schritte zum Ziel gemeinsam und machen sie alltagstauglich. Wir üben nicht nur z.B. "Antrieb" wie einen Muskel, sondern mehrere Fähigkeitsbereiche mit unterschiedlichen Strategien – sodass der Einkauf (wieder) tragbar wird.

Soziale Fähigkeiten: Umgang mit Menschen, Enge, Schlange, Kasse – und Druck oder Scham, wenn es "zu viel wird"

Bereich des Selbstbildes: Selbstwirksamkeit ("Ich kann das"), Verantwortung, Selbstvertrauen

Emotionale Fähigkeiten: Überforderung, Antrieb, Motivation, Hoffnungslosigkeit

Elementare Fähigkeiten: Belastbarkeit, Aufmerksamkeit, Planung, Ausdauer, Verarbeitung von Reizen

Spezielle Fähigkeiten: Umgang mit Einkaufs-App, Budget, Organisation, Wegekompetenz

Ziel:
"Ich kann in sechs Wochen zweimal pro Woche selbstständig einkaufen,  ca. 15 Min. pro Einkauf, mit einer Einkaufsliste von mindestens acht Artikeln.

Beispiele für ergotherapeutische Interventionen:

Planung: 

Einkauf in Etappen planen und graduieren (z.B. "nur" drei Artikel, ca. 15 Minuten), Routinenplanung ("Wenn es 17:30 Uhr ist, dann: Schuhe an, Tasche nehmen, los").

Belastungsmanagement: 

Energieeinteilung und Pausenplan (Was geht heute realistisch?), Reizmanagement (ruhige Uhrzeit, kürzerer Weg, Liste, feste Routine, Sonnenbrille, Kopfhörer), Körpersignale lesen und ggf. reagieren (Pause, Atmung), Nachsorge (Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen), kognitive Strategien (Grübelschleifen stoppen).

Projektgruppe: 

Gefühle und Bedürfnisse äußern, Grenzen setzen, Entscheidungen treffen, sich durchsetzen, "Nein" sagen, um Hilfe bitten.

Handwerkliche Medien: 

Handwerkliche Projekte (z.B. Schlüsselbrett aus Holz) nutzen wir als "Trainingsfeld" für alltagsrelevante Fähigkeiten: planen, beginnen, dranbleiben, dosieren, mit Fehlern umgehen und Schritt für Schritt umsetzen. Der Unterschied zu "darüber reden": Fortschritt wird sichtbar und erlebbar. Die dabei erarbeiteten Strategien (z.B. kleinschrittiges Vorgehen, Startrituale, Pausenplanung, Umgang mit Überforderung) übertragen wir anschließend gezielt auf Alltagssituationen wie den Einkauf. Ziel ist nicht das Werkstück, sondern eine stabile Handlungsfähigkeit im Alltag.

Psychoedukation & Verständnis: 

Typische Depressionssymptome einordnen (kann hilfreich sein), um Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Selbstabwertung  oder Schuldgefühle besser einzuordnen und Gegenstrategien abzuleiten, realistische Zieldefinition: "genug" statt "perfekt".

Ressourcen- und Belastungsanalyse

Erfassen der Aktivitäten, die Energie geben oder nehmen; daraus realistische Tagesstruktur und energiefördernde Routinen entwickeln; werteorientierte Arbeit.

Angehörigenberatung: 

Wie Unterstützung aussehen kann; Kommunikations-absprachen

Umweltanpassung: 

Übergangslösung bis zur Stabilität z.B. Nutzung von Lieferdiensten, Einkaufshilfe, Begleitung ("nur dabei sein", keine Übernahme der Aufgaben), Abholung im Markt (Click & Collect).

 

Rückfallplan ohne Schuldspirale: 

Was tun, wenn es nicht klappt, ohne alles hinzuschmeißen? Wenn-Dann-Plan ("Wenn ich abbreche, dann gilt Plan B  – z.B. Lieferung statt kompletter Abbruch"), Warnsignal-Protokoll (Schlaf, Stress, Termine, Reize), Schadensbegrenzungsliste (Minimaleinkauf: drei Basisartikel)

Leichtigkeit entsteht aus Struktur.

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